Gründerinterview mit Jan Grabow

Wir haben uns mit NOMOO-Gründer Jan Grabow getroffen, dessen Startup veganes Eis produziert. Pünktlich zum Frühlingsstart haben wir ihn gefragt, was die Produkte von NOMOO auszeichnet und was er bei der Gründung seines Unternehmens so alles erlebt hat. Hier berichtet euch Jan von seinen Startup-Erfahrungen!

ECC: Hi Jan! Die Temperaturen steigen langsam wieder und mit ihnen der Eiskonsum. Euer Startup NOMOO produziert veganes Eis. Wieso sollte man sich für ein Produkt von euch entscheiden?

Jan Grabow: Weil es bei gutem Wetter nichts besseres gibt? Nein, Spaß bei Seite: Wer extrem geschmacksintensives Eis ohne schlechtes Gewissen genießen möchte, für den ist NOMOO die perfekte Lösung. Unser Eis ist wesentlich nachhaltiger, tierfreundlicher und gesünder als herkömmliche Alternativen. Das wichtige ist dabei aber, dass man im Geschmack keine Abstriche machen muss. Im Gegenteil: Ich kenne kein Eis im Handel, das so hohe Anteile an Frucht, Nuss oder Kakao enthält.

ECC: Das klingt sehr interessant! Wie bist du denn auf die Idee für das Startup gekommen?

Jan Grabow: Ich habe mich während meines BWL-Studiums an der Uni Köln intensiv mit dem Thema Veganismus und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Die beiden Begriffe sind eng miteinander verknüpft, denn eine rein pflanzliche Ernährung ist wesentlich nachhaltiger als eine Ernährung, die auf Fleisch-, Eier- und Milchprodukten basiert. Da das Thema Veganismus – häufig zurecht – bei den meisten mit Verzicht assoziiert wird, wir aber für eine lebenswerte Zukunft unsere Ernährungsweise drastisch verändern müssen, bin ich auf die Idee gekommen, pflanzliche Lebensmittel zu produzieren, die so lecker schmecken, dass sie jeder liebt – egal ob Veganer oder nicht.

„Unzählige Produktionsnachtschichten waren schon hart“

ECC: Und wie hat das mit der Gründung neben dem Studium funktioniert?

Jan Grabow: Ich bin nach der Uni durch den Supermarkt gelaufen und habe mir angeschaut, was es schon an pflanzlichen Alternativen so gibt. Beim Thema Eis bin ich auf einen heutigen Konkurrenten gestoßen, dessen Eis zwar pflanzlich, aber wirklich nicht lecker war. Also habe ich mich selbst am Eismachen erprobt und meine eigenen Sorten entwickelt. Nach circa 3 Monaten hatte ich den ersten Prototypen, den ich an ein anderes Food-Startup aus Köln verkauft habe, welches das Eis an seine Endkunden verkauft hat – und das mit Erfolg! Das Eis kam super an. Also habe ich mein Studentensparschwein geplündert, eine Eismaschine gekauft und unter der Marke NOMOO angefangen, veganes Eis herzustellen und an die Kölner Gastronomie zu verkaufen. Das alles in unzähligen Produktionsnachtschichten neben der Uni. Das war schon häufig ziemlich hart. Aber wenn man für seine Idee brennt, dann ist einem das egal. Außerdem kam nach kurzer Zeit meine Mitgründerin Rebecca dazu, die mich vor allem im Vertrieb und im Marketing unterstützt hat.

ECC: In welcher Phase befindet ihr euch jetzt mit eurem Unternehmen?

Jan Grabow: Inzwischen führen Rebecca und ich das Unternehmen in Vollzeit. Wir haben beide unseren Bachelor abgeschlossen und konzentrieren uns jetzt zu 100% in den Ausbau unseres Eis-Imperiums. Aktuell sind wir auf Wachstumskurs und versuchen das Produkt in Deutschlands Metropolen bekannt zu machen. Das ist auch gleichzeitig eine der größten Schwierigkeiten: Markenbekanntheit ist bei einem Produkt wie unserem sehr wichtig. Auf dem heimischen Markt hat man sich schnell einen Namen gemacht. Aber sich auf völlig fremden Märkten zu behaupten, das ist gar nicht so einfach und erfordert sehr viel Zeit, Geld und Mühen.

„Die vielen Tipps helfen einem alle nicht, wenn man nicht einfach anfängt“

ECC: Welche Schwierigkeiten hattet ihr sonst noch?

Jan Grabow: Anfangs gab es zahlreiche Schwierigkeiten. Wir hatten zum Beispiel kein Geld und mussten Miete für unsere Produktionsstätte bezahlen. Vor allem im Winter, wo man kaum Einnahmen erzielt, ist das mit einem Anfangskapital von 5.000€ gar nicht so leicht. Außerdem mussten wir uns einen Weg überlegen, wie wir den Vertrieb und damit auch die Produktion ausweiten können. Das alles haben wir aber nun hinter uns: Wir vertreiben national an den Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie und haben einen Produzenten in Hamburg, der das Eis nach unseren Rezepturen herstellt.

ECC: Wenn du auf die bisherige Entwicklung eures Startups zurückblickst: Was ist richtig gut gelaufen und was würdest du vielleicht anders machen?

Jan Grabow: Das ist gar keine leichte Frage. Das Wichtigste ist glaube ich, dass wir am Anfang naiv waren und uns so auf die Selbstständigkeit eingelassen haben. Hätten wir von Anfang an gewusst, was das alles mit sich bringt, hätten wir es unter Umständen nicht gemacht. Im Nachhinein sind wir super froh, dass wir es nicht wussten. Dennoch hätte am Anfang etwas mehr Knowhow in den Themen „Handel“ und „Food“ geholfen, um Fehler zu vermeiden. Außerdem würde ich beim nächsten Mal deutlich mehr Zeit für bestimmte Prozesse einrechnen, wie zum Beispiel die Herstellung einer Verpackung.

ECC: Und dies weshalb?

Jan Grabow: Wenn man jung, naiv und motiviert ist, geht man immer davon aus, dass alles nach Plan klappt. Das ist aber fast nie so. Wenn man keine Puffer einrechnet, hat man ein Problem. Wir mussten im Frühling 2018 über 50 Supermarktkunden für zwei Monate vertrösten, die schon lange mit dem Launch unserer Handelsprodukte gerechnet hatten. Das war kein guter Einstieg in den Handel. Zum Glück kam das Produkt nachher super bei den Endkunden an.

ECC: Zum Abschluss wollen wir natürlich noch wissen, welche Tipps du für andere Studierende parat hast, die ihr eigenes Unternehmen gründen wollen?

Jan Grabow: Man kann unendlich viele Tipps geben. Die bringen einem aber alle nichts, wenn man nicht anfängt mit der Gründung. Deswegen mein Tipp: Wenn ihr eine interessante Idee habt, die euch fesselt und an die ihr täglich denken müsst, dann wartet gar nicht lange und fangt einfach an. Wer bei einer Idee zu lange nachdenkt, plant und wartet, der ist unter Umständen nicht bereit für die Gründung und häufig dann auch zu spät dran. Dass ich sofort drauf losgelegt habe, war das Beste, was ich tun konnte.

ECC: Vielen Dank dir, Jan!

Ihr wollt immer auf dem Laufenden bleiben und als erstes von neuen News oder Events erfahren? Dann abonniert direkt hier unser Gründer-Update, mit dem wir Euch regelmäßig per Mail über die wichtigsten Neuigkeiten rund um den ECC informieren!