Gründerinterview mit Christopher Zeppenfeld

Nachhaltige Proteine für den Muskelaufbau – SWARM nutzt Insekten als Proteinquelle und verarbeitet diese zu Fitnesssnacks. Wir haben uns mit Unternehmensgründer Christopher Zeppenfeld getroffen und ihn nach seiner Gründungsgeschichte gefragt. Hier erzählt er euch, wie SWARM seine Produkte produziert und vermarktet und welche Schwierigkeiten sein Startup bis dato meistern musste.

ECC: Hi Christopher! Gefühlt jeder ist heute in einem Fitnessstudio angemeldet, aber der Verzehr von Insekten dürfte für die Meisten noch gewöhnungsbedürftig sein. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die beiden Bereiche zusammen zu denken und welche Vorteile ergeben sich aus dieser Kombination?

Christopher Zeppenfeld: Die Idee, Insekten als neuartige Proteinquelle mit Sportlern zusammenzubringen, liegt für uns sehr nah. Insekten bestehen zu einem Großteil aus Protein und liefern alle essentiellen Aminosäuren und hochwertige Mikronährstoffe, wie Vitamin B12, Zink und Eisen. Hinzu kommt, dass Insekten im Vergleich zu klassischen Proteinquellen wie Fleisch oder Molke nur einen Bruchteil der natürlichen Ressourcen verbrauchen und kaum Treibhausgase produzieren. Sportler wiederum haben durch ihr Training einen hohen Proteinbedarf, sind offen für Neues und wir beobachten auch in dieser Zielgruppe einen Trend zu einem nachhaltigen Lebensstil.

ECC: Euer Produkt richtet sich also an Menschen, die einen nachhaltigen Lebensstil anstreben?

Christopher Zeppenfeld: Genau, wir bringen ein Produkt mit funktionalen Nährwerten und einer nachhaltigen Ausrichtung mit einer Zielgruppe zusammen, die diese Eigenschaften zu schätzen weiß. Zusätzlich sind Sportler oft begeistert in sozialen Medien aktiv und suchen nach spannenden Produkten abseits des Mainstreams. Das hilft uns natürlich, SWARM weiter bekannt zu machen.

ECC: Auf welche Produkte legt ihr euren Fokus und wie funktioniert das mit der Produktion?

Christopher Zeppenfeld: Wir fokussieren uns auf Snack-Formate, also alles, was du schnell und bequem in deinem Alltag essen kannst. Das bietet uns den Vorteil, die Konsumhürde minimal zu halten. Insekten als Nahrung sind in unserem Kulturraum noch stark tabuisiert. Wir wollen also, dass die Menschen sich leicht an diese neue Proteinquelle gewöhnen können, indem wir Produktformate nutzen, die jeder kennt. Nur, dass bei uns das Protein von Insekten statt von Säugetieren stammt.

„Wir haben über drei Jahre gebraucht, bis das Produkt fertig war“

ECC: Woher kommen denn eure Insekten?

Christopher Zeppenfeld: Sie werden in Thailand gezüchtet, dem größten Markt für essbare Insekten. Dort gibt es ca. 20.000 Kleinbauern, die die Grillen züchten, die auch wir in unseren Produkten nutzen. Die Insekten werden vor Ort zu einem feinen Pulver zermahlen. Dieses Pulver importieren wir dann nach Deutschland, wo wir es schließlich zu unseren Produkten weiterverarbeiten. Wir kontrollieren die Qualität entlang der gesamten Wertschöpfungskette und verfügen über ein zertifiziertes Qualitätsmanagement.

ECC: Wie ist dein Background?

Christopher Zeppenfeld: Ich habe an der Uni Köln BWL studiert und damals noch als Diplom-Kaufmann abgeschlossen. Zwischendurch gab’s noch einen Abstecher nach China an die Tsinghua University für ein Auslandssemester. Im Anschluss habe ich an der Cologne Graduate School in Management, Economics and Social Sciences in Experimenteller Wirtschafts- und Verhaltensforschung promoviert. Dafür habe ich einen Forschungsaufenthalt an der Cornell University in den USA eingelegt.

ECC: Wie groß ist euer Unternehmen aktuell und was sind die nächsten Schritte?

Christopher Zeppenfeld: Aktuell haben wir acht Mitarbeiter. Wir sind ein Team aus Ernährungs- und Sportwissenschaftlerinnen, Designern und Wirtschaftswissenschaftlern. Wir möchten uns weiter als Innovations- und Qualitätsführer im Bereich alternativer Proteine aus Insekten behaupten. Das bedeutet kontinuierliche Produktentwicklung. Gleichzeitig haben wir das Glück, auf eine hohe Nachfrage zu treffen und vertreiben mittlerweile in den größten Lebensmittelketten Deutschlands. Hier wollen wir natürlich weiter wachsen und allen Kunden die Zukunft der Ernährung näherbringen.

ECC: Welche Schwierigkeiten musstet ihr beim Aufbau eures Unternehmens bis dato meistern? Was würdet ihr heute vielleicht anders machen?

Christopher Zeppenfeld: Keiner von uns hatte Erfahrung mit der Entwicklung und der Vermarktung von Lebensmitteln. Also haben wir mit vielen Leuten gesprochen, die sich in der Branche auskannten. Alle meinten, wir sollten auf keinen Fall versuchen, einen neuen Rohstoff auf den Markt zu bringen. Es gäbe nämlich einen Grund, warum es keine wirklichen Innovationen bei Lebensmitteln gibt, sondern eigentlich nur Altes neu verpackt würde. Wir haben uns ganz naiv gedacht: Das kann so schwer nicht sein! Ohne zu erahnen, wie viele Hürden die Markteinführung einer wirklichen Produktinnovation mit sich bringt. So haben wir dann auch über drei Jahre gebraucht, bis das Produkt fertig war. Wir mussten viele Fragen grundlegend mit Behörden, Zoll und Aufsicht klären, da das Thema „essbare Insekten“ so neu war. Müssten wir nochmal von vorn beginnen, würden wir noch schneller mit Leuten zusammenarbeiten, die sich auskennen.

„Gründer haben diese Paranoia, man würde ihnen die Ideen klauen“

ECC: Und was lief richtig gut?

Christopher Zeppenfeld: Im Nachhinein war unsere anfängliche Naivität genau richtig für uns. Wir haben viele offene Menschen getroffen, die uns unterstützt haben und unser Netzwerk ist so stark gewachsen. Was auch super ist, ist die Aufmerksamkeit, die uns Kunden und Presse entgegenbringen.

ECC: Auf unseren Events sind viele Studierende, die schon Ideen für ein eigenes Unternehmen haben. Welche Tipps kannst du denen für das Gründen mitgeben?

Christopher Zeppenfeld: Das Wichtigste ist, die Idee früh mit jedem zu diskutieren, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Gründer haben diese Paranoia, man würde ihnen die Ideen klauen. Für uns war der Austausch mit erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern aber unglaublich wertvoll. Wir haben daher früh beschlossen, auf andere Gründer und Experten aktiv zuzugehen. Mit vielen dieser ersten Kontakte arbeiten wir auch heute noch zusammen.

ECC: Lieber Christopher, vielen Dank für das Gespräch!

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